Übung, in der die Konfliktparteien für eine Weile die Sicht des Gegenübers einnehmen und laut ausformulieren. Das Doppeln stammt aus dem Psychodrama und macht spürbar, was die andere Seite bewegt. Es löst Verhärtungen, wenn Argumente im Kreis laufen und keiner den anderen mehr hört.
Schritt für Schritt
4 Phasen · ca. 35 Minuten
01
5 min
5 min
Situation kurz umreißen
Der Streitpunkt wird knapp benannt, ohne ihn neu auszudiskutieren. Es geht nicht um die Lösung, sondern ums Verstehen.
02
10 min
10 min
Rollen tauschen
Jede Person schlüpft in die Rolle des Gegenübers und schildert den Konflikt aus dessen Sicht, in der Ichform. Die andere hört zu und korrigiert nur, wenn etwas grob danebenliegt.
03
10 min
10 min
Nachspüren
Kurz sammeln: Was war überraschend? Was fühlt sich anders an, wenn man es von der anderen Seite sagt?
04
10 min
10 min
Zurück in die eigene Rolle
Mit dem neuen Bild noch einmal auf den Streitpunkt schauen. Oft reicht ein Satz, der vorher nicht möglich war.
Tipps aus der Praxis
Ruhig und ernst anleiten. Wird der Rollentausch albern gespielt, kippt die Wirkung.
Kleine Konflikte eignen sich zum Üben, bevor man die Übung bei einem echten Streit einsetzt.
Funktioniert auch, wenn nur eine Seite doppelt und die andere zuhört.
Vorsicht
Wann nicht geeignet: Tief verletzte Beteiligte, die nicht bereit sind, die Gegenseite auch nur probeweise einzunehmen. Der Wechsel lässt sich nicht erzwingen.
Erfahrungen aus der Community
4,5
47 Bewertungen von Moderator:innen
MT
Miriam T.Coach
Ein Aha-Moment, wenn jemand den eigenen Standpunkt aus fremdem Mund hört.
KB
Kai B.Scrum Master
Ernst anleiten, sonst wird es zur Comedy.
Häufige Fragen zu Perspektivwechsel
Wofür eignet sich Perspektivwechsel?+–
Perspektivwechsel eignet sich vor allem für Konfliktlösung. Übung, in der die Konfliktparteien für eine Weile die Sicht des Gegenübers einnehmen und laut ausformulieren. Das Doppeln stammt aus dem Psychodrama und macht spürbar, was die andere Seite bewegt. Es löst Verhärtungen, wenn Argumente im Kreis laufen und keiner den anderen mehr hört.
Wie lange dauert Perspektivwechsel?+–
Der reine Ablauf umfasst 35 Minuten über 4 Phasen. Plane zusätzlich Puffer für Einstieg und Überleitung ein — realistisch also kurz (< 2h).
Für wie viele Teilnehmende ist Perspektivwechsel geeignet?+–
Die Methode funktioniert bei gering (< 4) oder mittel (5–10) Teilnehmenden am besten. Bei größeren Gruppen empfiehlt sich eine Aufteilung in Untergruppen.
Funktioniert Perspektivwechsel auch online?+–
Perspektivwechsel ist auf in Präsenz, hybrid ausgelegt und lässt sich digital nur eingeschränkt abbilden. Für Remote-Settings eignen sich Alternativen aus dem Bereich „verwandte Methoden“ besser.
Welches Material brauche ich für Perspektivwechsel?+–
Vor Ort: Raum/Stuhlkreis, Stifte. Online: Zoom. Mehr braucht es nicht — die Methode lebt von der Moderation, nicht vom Material.
Wann sollte ich Perspektivwechsel nicht einsetzen?+–
Tief verletzte Beteiligte, die nicht bereit sind, die Gegenseite auch nur probeweise einzunehmen. Der Wechsel lässt sich nicht erzwingen.
Wie viel Moderationserfahrung braucht Perspektivwechsel?+–
Etwas Übung hilft. Perspektivwechsel verlangt sichere Prozessführung und die Bereitschaft, Diskussionen zu unterbrechen und wieder zu bündeln.