Abstimmungsverfahren, das nach Widerstand statt nach Zustimmung fragt. Zu jeder Option gibt jede Person Widerstandspunkte, und die Lösung mit dem geringsten Gesamtwiderstand setzt sich durch. So kommen Entscheidungen heraus, die die ganze Gruppe mitträgt, weil niemand stark blockiert. Gut für Gruppen, in denen die Mehrheit sonst die Minderheit überstimmt.
Schritt für Schritt
5 Phasen · ca. 55 Minuten
01
10 min
10 min
Optionen sammeln
Alle ernsthaften Lösungsvorschläge sichtbar machen, dazu die Nulllösung „alles bleibt, wie es ist“ als Vergleichsmaßstab.
02
10 min
10 min
Widerstand erklären
Kurz einführen: Bewertet wird nicht, wie gut eine Option ist, sondern wie stark man dagegen ist, etwa von 0 für keinen bis 10 für starken Widerstand.
03
15 min
15 min
Punkte vergeben
Jede Person bewertet jede Option verdeckt oder offen. Kein Reden über Mehrheiten, jede Stimme zählt gleich.
04
10 min
10 min
Widerstand summieren
Die Werte je Option addieren. Die Option mit dem geringsten Gesamtwiderstand ist der Vorschlag der Gruppe.
05
10 min
10 min
Hohen Widerstand anhören
Wo einzelne stark blockieren, kurz nachfragen, warum. Oft steckt ein lösbares Bedenken dahinter, das die Option noch verbessert.
Tipps aus der Praxis
Die Nulllösung nicht vergessen. Sie zeigt, ob überhaupt Veränderung gewollt ist.
Starken Widerstand ernst nehmen statt wegstimmen. Genau da liegt das Risiko der Umsetzung.
Online lässt sich verdeckt gut mit einer Umfrage abbilden, das nimmt den Gruppendruck.
Vorsicht
Wann nicht geeignet: Rein fachliche Fragen mit klar richtiger Antwort. Widerstand zu messen ersetzt keine Sachprüfung.
Erfahrungen aus der Community
4,5
64 Bewertungen von Moderator:innen
IP
Ingo P.Genossenschaftsvorstand
Endlich Entscheidungen, die auch die Überstimmten mittragen.
CV
Clara V.Moderatorin
Der Perspektivwechsel auf Widerstand braucht eine kurze Erklärung, dann läuft es.
Häufige Fragen zu Systemisches Konsensieren
Wofür eignet sich Systemisches Konsensieren?+–
Systemisches Konsensieren eignet sich vor allem für Entscheidungshilfe. Abstimmungsverfahren, das nach Widerstand statt nach Zustimmung fragt. Zu jeder Option gibt jede Person Widerstandspunkte, und die Lösung mit dem geringsten Gesamtwiderstand setzt sich durch. So kommen Entscheidungen heraus, die die ganze Gruppe mitträgt, weil niemand stark blockiert. Gut für Gruppen, in denen die Mehrheit sonst die Minderheit überstimmt.
Wie lange dauert Systemisches Konsensieren?+–
Der reine Ablauf umfasst 55 Minuten über 5 Phasen. Plane zusätzlich Puffer für Einstieg und Überleitung ein — realistisch also kurz (< 2h).
Für wie viele Teilnehmende ist Systemisches Konsensieren geeignet?+–
Die Methode funktioniert bei mittel (5–10) oder hoch (> 10) Teilnehmenden am besten. Auch Großgruppen sind möglich, brauchen aber klare Moderation und mehr Raum.
Funktioniert Systemisches Konsensieren auch online?+–
Ja. Systemisches Konsensieren lässt sich in Präsenz, online, hybrid durchführen. Bewährt haben sich Mentimeter, Miro, Mural. Wichtig sind ein sichtbarer Timer und klar zugewiesene Arbeitsbereiche.
Welches Material brauche ich für Systemisches Konsensieren?+–
Vor Ort: Flipchart, Moderationskarten, Stifte. Online: Mentimeter, Miro, Mural. Mehr braucht es nicht — die Methode lebt von der Moderation, nicht vom Material.
Wann sollte ich Systemisches Konsensieren nicht einsetzen?+–
Rein fachliche Fragen mit klar richtiger Antwort. Widerstand zu messen ersetzt keine Sachprüfung.
Wie viel Moderationserfahrung braucht Systemisches Konsensieren?+–
Etwas Übung hilft. Systemisches Konsensieren verlangt sichere Prozessführung und die Bereitschaft, Diskussionen zu unterbrechen und wieder zu bündeln.